"Heaven calling in the distance, so I packed my things and ran, far away from all the trouble I had caused with my two hands"

Mittwoch, 4. April 2012

Der Fluss

In mir drin ist ein großer See geweinter Tränen, doch er steht ganz still. Zunächst wirkt er beunruhigend still. Doch dann stehe ich an meinem See und blicke stundenlang ins dunkle tiefe Nass. Ruhe umfängt mich, doch ich weiß, es ist die Ruhe vor dem Sturm. Ich spüre wie etwas an mir zerrt. Doch ich empfinde es hier zu schön – will nicht fort. Aber das Wesen drängt. Lässt mir keine Ruhe. Bis ich schließlich nachgebe... Und falle!
Ich stürze in die Fluten. Mein schöner dunkler See ist jetzt ein eiskalter aufgewühlter reißender Fluss. Seine Strömung zieht mich mit und ich verliere jegliche Kontrolle. Die Kälte des Wassers sticht wie viele tausend Nadeln, doch mein Herz ist es, das in Panik schreit und sich nicht beruhigen lässt.
Mein Peiniger nutzt diese Chance und treibt den Schmerz tiefer hinein. Ich schlucke immer wieder Wasser und kämpfe um mein Leben – es schmeckt so salzig wie das Meer. Um mich herum ist nur diese Hölle meiner Gefühle und es scheint kein Ende zu nehmen... Tiefer und tiefer windet sich der Fluss in eine Finsternis hinein, in der ich nichts mehr sehe, nur noch fühle. Schmerz...
Irgendwann vernehme ich Schreie um mich herum. Hilfeschreie, Angstschreie, Schmerzensschreie und dann... höre ich MICH aus Leibeskräften schreien. Ein lauter Knall – plötzliche Stille. Der Fluss ist nun mehr ein kleiner Bach und es scheint endlich ein Ende in Sicht. Ich erkenne ein Ufer in Dämmerlicht und treibe darauf zu. Endlich an Land liege ich nur da, flach auf dem Bauch und atme heftig ein und aus. Erst jetzt bemerke ich die Tränen und die trockene Kehle. Ich will um Hilfe rufen, doch meine Stimme versagt mir den Dienst. Ich höre Schritte und denke sofort an das Etwas, was mich eben durch diese Hölle geschickt hat. Mit letzter Kraft richte ich mich auf und blicke meinem Verderben ins Gesicht. Doch wider erwarten sehe ich in deine Augen.
Deine sonst so liebevollen gütigen Augen. Erleichterung breitet sich in mir aus und wärmt mich von Innen heraus. Doch meine Freude ist nur von kurzer Dauer. Du trittst auf mich zu und ziehst. Hältst mir den Waffenlauf direkt an die Stirn. Ungläubig sehe ich dich und all die Liebe scheint aus dir gewichen und hat Trauer und Verzweiflung zurück gelassen.
„Du musst das nicht tun...“ Ich habe meine Stimme wieder, doch sie klingt verändert, fast fremd, in meinen Ohren. Nichts regt sich. Lange starren wir einander an. Wie ein lautloser Kampf darum wer sich nun bewegen wird und damit verliert. Dann spüre ich, dass du entschieden hast und lasse den Kopf hängen. Ich kämpfe nicht weiter, nicht gegen dich.
Ein Knall und dann Kälte – weniger Schmerz als erwartet. Ich sinke reglos zu Boden. Spüre noch deine Hand in meinem Haar... Sehe dein Gesicht, das Bände spricht... Dann NICHTS...

„Ich verzeihe dir.“

08.04.2010